06. Jul 2025
Belfast - Downpatrick
Streckeninfo:
37.59 km
653 hm
ca. 8h 55m
Strecken-Detail-Ansicht
Foto 1: „Epheser 2,14 an der Friedensmauer“
Als ich heute Morgen an der Friedensmauer entlangging, stieß ich auf dieses Relief, das den Frieden darstellt, der vom Kreuz Jesu Christi kommt. Unter dem Kreuz befindet sich eine Inschrift aus Epheser 2,14:
„Denn er selbst ist unser Friede. Er hat die beiden Gruppen zu einer Einheit verbunden und die trennende Mauer der Feindschaft niedergerissen.“
Die kunstvolle Darstellung dieses Verses war ein gemeinsames Projekt von Christen beiderseits der Mauer. Ich war sehr erfreut, dies zu sehen.
Foto 2: Davy ist 74 Jahre alt. Er hat ein Kreuz auf der Stirn tätowiert, das mir sofort ins Auge fiel. Davy lebt seit 18 Jahren auf den Straßen von Belfast. Als Pilger kann ich mich ein wenig in die Lage von Obdachlosen hineinversetzen, besonders wenn man bei Regen einen trockenen Platz zum Mittagessen sucht. Obwohl ich Kreditkarte und Bargeld bei mir trage, ist jeder Tag ein Kampf ums Überleben, der die Frage aufwirft: Werde ich diesen Tag überstehen? Wo sollte ich Essen und Trinken finden? Wo sollte ich abends schlafen? Davy erzählte mir, er sei ein Nachfolger Jesu und als Kind kilometerweit zur Sonntagsschule gelaufen. Ich erzählte ihm von Stewart und wie Gott ihm geholfen hatte, von der Straße in ein eigenes Zuhause zu kommen. Ich betete mit Davy... und kaufte ihm sein Mittagessen.
Foto 3: „Falscher Weg?“
Was für ein Tag! Ich hatte gut angefangen und musste insgesamt 40 Kilometer bis Downpatrick zurücklegen, wo sich das Grab von St. Patrick befindet. Nach etwa 5 Kilometern am Stadtrand von Belfast gab der Bildschirm meines Klapphandys den Geist auf... kein GPS, keine Karte, kein WhatsApp, keine E-Mails, kein Telefon, keine Kamera… gar nichts mehr. Beim verzweifelten Drücken der Tasten, um den Bildschirm wieder zum Laufen zu bringen, machte mein Handy irgendwie einen Screenshot von dem nicht mehr funktionierenden Bildschirm. Dieses Foto dokumentiert den Moment des Desasters. Was sollte ich tun? Ich konnte keinen Schritt mehr Richtung Downpatrick gehen. Ich sagte Richtung Himmel: „Jesus, du hast eine Lösung dafür...“, und beschloss, mit dem Bus zurück nach Belfast zu fahren. An der Bushaltestelle traf ich einen jungen Mann aus Indien und fragte ihn, ob er eine Handyreparaturwerkstatt in Belfast kenne. "Zufallig" arbeitete sein Freund in einem Handyreparaturladen, und er nahm mich dorthin mit. Ein neues Display wurde bestellt und sollte am nächsten Tag eintreffen. Da ich bereits ein Zimmer in Downpatrick gebucht und bezahlt hatte, beschloss ich, mit dem Bus dorthin zu fahren, das Grab des heiligen Patrick zu besuchen und mir nach der anstrengenden Wanderung durch Schottland einen zusätzlichen Ruhetag zu gönnen.
Foto 4: „Alfie“
Auf dem Weg zum Grab des heiligen Patrick sah ich fünf Zwölfjährigen auf einer Parkbank sitzen, die die Sonne genossen, die sich so selten in den letzten Tagen zeigen ließ. Wir kamen ins Gespräch. Ich erzählte ihnen meine Geschichte, wie Gott in ihrem Alter meine Aufmerksamkeit gewonnen hatte und mich zu ihm zog, und betete für sie. Besonders Alfie schien an dem, was ich zu sagen hatte, interessiert zu sein. Er schenkte mir ein Band mit Metallklöppeln von seinem Sportverein und bat mich, es in einen Fluss in der Nähe meines Zuhauses in Deutschland zu werfen. Ich sagte ihm, dass ich keine Dinge in den Fluss werfen wolle, sondern das Band mit nach Deutschland nehmen und ein Foto davon in diesem Blog posten würde, wenn ich auf meiner letzten Etappe des Snail-Trails die Isar in der Nähe meines Zuhauses erreicht hätte. Auf dem Foto kann man es nicht so gut erkennen, aber das Band hängt von Alfies linker Hand herunter. Wäre ich heute die Strecke nach Downpatrick gelaufen, hätte ich Alfie und seine Freunde nicht getroffen.
Photo 5: Die Geschichte des heiligen Patrick fasziniert mich. Geboren um 385–387, wurde er mit 16 Jahren von Piraten entführt und sechs Jahre lang in der irischen Wildnis versklavt, wo er eine tiefe Hingabe zum Gebet entwickelte. Nach seiner Flucht zurück nach Britannien hatte er einen Traum, in dem ihn die Iren baten, zurückzukehren und wieder unter ihnen zu leben. Er kehrte als Bischof nach Irland zurück, um das Christentum zu verbreiten und nutzte dabei bekanntermaßen das irische Kleeblatt, um die Lehre der Heiligen Dreifaltigkeit zu vermitteln. Das Wirken des Heiligen Geistes war in seinem Leben und Wirken deutlich spürbar. Dieser Stein markiert Patricks letzte Ruhestätte. Wenn du das Foto vergrößerst, kannst du sehen, dass sein Name aufcdem Stein noch teilweise lesbar ist. Ich saß dort am späten Nachmittag und betete, dass Gott das, was er in den Tagen des heiligen Patrick in Irland begonnen hatte, heute wiederbeleben und fortsetzen möge.




